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Forschung

Forschung

Die Medizin ist eine Erfahrungswissenschaft und ohne wissenschaftliche Forschung nicht denkbar. Im Institut für Gender Medizin werden daher alle Gesundheitsfragen, welche zu einer Verlängerung

Forschungsfelder

- Prävention
- Akutmedizin
- Rehabilitation
- Pflege

der gesunden Lebensjahre und der Lebensqualität unter besonderer Berücksichtigung von geschlechtsspezifischen Aspekten im Sinne einer individualisieren Medizin erforscht.

Studien

August 2018

Sehr geehrte Damen,

das la pura Frauengesundheitszentrum in Gars am Kamp möchte Sie mit diesem Schreiben auf ein ganz spezielles Angebot aufmerksam machen. Unabhängig vom gewünschten Gewichtsreduktions-programm – Detox Slim oder F.X. Mayr 3.0 –, möchten wir Ihnen ab August 2018 bis Januar 2019 folgende interessante Möglichkeit anbieten: Zusätzlich und unentgeltlich zu Ihrem zehntägigen Aufenthalt laden wir Sie im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie ein, von einer großen Band-breite an Gesundenuntersuchungen und medizinischen Behandlungen zu profitieren.

Unser Team untersucht mit dieser wissenschaftlichen Studie die Wechselwirkungen zwischen Stress und Stoffwechsel während einer Gewichtsreduktion. Ziel sind auf die Frau bzw. auf Sie persönlich zugeschnittene Maßnahmen und Programme zur nachhaltigen Gewichtsabnahme. Dazu untersuchen wir die Zusammenhänge von Stoffwechselparametern wie die Insulinresistenz, Körperzusammensetzung oder die wichtigsten Blutwerte mit dem subjektiven Stressempfinden und ihrer Darmflora vor und nach der Gewichtsreduktion und Ernährungsumstellung.

Der Studienablauf ist so angelegt, dass die medizinischen Untersuchungen einmal am ersten Tag Ihres Aufenthaltes und ein zweites Mal am letzten Tag Ihres Aufenthaltes stattfinden werden. Zusätzlich wird – zufällig ausgewählt – die Hälfte aller Teilnehmerinnen an einem Stressbewältigungsprogramm, bestehend aus Lebensstilberatung, Entspannungseinheiten und Biofeedbacktraining, teilnehmen. Am Ende erhalten Sie von unserem Studienteam ein ausführliches, individuelles Rückmeldegespräch zu Ihren Ergebnissen sowie Empfehlungen für zu Hause.

Ihre Daten werden streng vertraulich und in anonymisierter Form verarbeitet bzw. aufbewahrt. Selbstverständlich ist die Teilnahme an der Studie freiwillig und alle studienbezogenen medizinischen Untersuchungen sind für Sie kostenfrei.

Sollten Sie Interesse an dieser Studie haben, zögern Sie bitte nicht, die Studienkoordinatorin
Frau Astrid Hofer anzurufen:

Montag bis Donnerstag von 11 bis 13 unter 0043-1-40400-20690 (Medizinische Universität Wien)

oder

Montag bis Freitag unter 0043-664-32 66 303.

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!

Univ.-Prof. Dr. Alexandra Kautzky-Willer
Leiterin des Instituts für Gender Medizin

Prim. Dr. Karin Stengg
Ärztliche Leiterin im la pura

 

Prävention

„Das Zusammenspiel von Stress und Stoffwechsel“, mehrere parallel laufende Studien unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Alexandra Kautzky-Willer

Die Studien  werden den Zusammenhang von Stress und Stoffwechsel erforschen und unterschiedliche Ansätze und Therapien auf ihre Wirksamkeit auf Gesundheitserhaltung und Wiedererlangung der Gesundheit bzw. der Arbeitsfähigkeit prüfen. Dazu werden von gesunden Personen verschiedenster Settings, von Hochrisikogruppen für Stoffwechselstörungen sowie von Patientinnen und Patienten mit manifesten Stoffwechselstörungen oder Gewichtsproblemen Daten zum Stoffwechsel, zum Herz-Kreislauf-System etc. erhoben.

Diese werden dann in Zusammenhang mit Stress in unterschiedliche Situationen gesetzt, wie etwa bei der Teilnahme an einem Kalorienrestriktionsprogramm (unterschiedlichste Diäten) oder im Arbeitsumfeld. Es wird in weiterer Folge analysiert, wie etwa Stressreduktion diese Parameter beeinflusst. Die Studie wird u.a. im Psychosomatischen Zentrum Waldviertel, im la pura women's health resort kamptal, beide Gars am Kamp, und an der MedUni Wien durchgeführt.

Die Erkenntnisse werden zur Entwicklung von frauen- und männerspezifischen, individualisierten Strategien zu Gewichtsmanagement und Gesunderhaltung (Vorbeugung) unter besonderer Berücksichtigung der höheren Vulnerabilität von Frauen für psychosozialen Stress verwendet. Denn Stressreduktion trägt bei einer Vielzahl von chronischen Krankheiten zu einer Verbesserung sowie zu mehr Lebensqualität bei.

Rehabilitation

2017
„Ist eine genderspezifische Differenzierung bei Patienten nach Hüft- bzw. Knie-Totalendoprothesenoperationen am Beginn der stationären Rehabilitation erforderlich?“
Diese Studie wurde an der Rehaklinik Montafon unter der Leitung von Herrn Univ.-Doz. Dr. Thomas Bochdansky durchgeführt

Die „Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit (ICF)“ der WHO (world health organisation) erlaubt eine weltweit einheitliche Beurteilung der Möglichkeiten und Fähigkeiten von Patientinnen und Patienten in der Rehabilitation. Muskelfunktionen werden international mit dem Timed-up-and-go Test (TUAG) getestet; Schmerzen mittels visueller Analogskala (VAS) beurteilt.

Das Geschlecht einer Person ist eine der fundamentalen persönlichen, „endogenen“ Kontextfaktoren, die im Rahmen des ICF-Modells zu berücksichtigen sind, wenn ein individualisierter Rehabilitationsplan erstellt werden soll. Daneben sind selbstverständlich auch die anderen „Domänen“ wie Körperfunktion und Körperstruktur, Aktivität und Teilhabe / Partizipation sowie „externe“ Kontextfaktoren zu analysieren und zu bewerten.

Ziel unserer Untersuchung war es zu prüfen, ob eine Genderspezifität aus unseren Daten zu ersehen ist, die eine letztlich genderspezifische Rehabilitationsplanung zur Folge hätte. Wir analysierten dabei die routinemäßig erhobenen Daten der Rehabilitationsklinik Montafon.

Die konkrete Fragestellung dazu lautete, in welcher Beziehung der Kontextfaktor „Gender“ bei zwei spezifischen Patientengruppen nach großen Gelenksoperationen (Knie und Hüfte) mit anderen Ergebnissen beim Assessment des Funktions- und Aktivitätsspektrum am Beginn einer stationären Rehabilitation steht.

Dazu wurden im Zeitraum von Mai 2013 bis April 2014 insgesamt 671 Patientinnen und Patienten nach geplantem  Gelenksersatz von Hüfte oder Knie untersucht. Diese unterteilten sich in 385 Knie-Patienten (149 männlich, 236 weiblich) und 286 Hüft-Patienten (145 m, 141w). Die stationäre Rehabilitation begann durchschnittlich drei Wochen postoperativ. Während der ersten beiden Tage des stationären Aufenthaltes wurde der erste WOMAC-Fragebogen vom Patienten ausgefüllt, das Schmerzniveau abgefragt und der erste TUAG durchgeführt.

Ergebnis:

Bei Frauen bestand nach beiden Operationsformen ein deutlich höheres Sturzrisiko als bei Männern.

Daraus folgt: Frauen brauchen in der Rehabilitation mehr Krafttrainingseinheiten und ein intensiveres Balancetraining. Dies ist auch relevant für ein sehr frauenspezifisches Thema wie der Osteoporose als Begleiterkrankung.

 

2017
„Geschlechtsspezifische Aspekte in der Neurorehabilitation nach einem Schlaganfall“

Diese Studie wurde in Kooperation zwischen dem Neurologischen Therapiezentrum Gmunderberg und der Gender Medicine Unit der MedUni Wien unter der Leitung von Prim. Dr. Hermann Moser durchgeführt

Ergebnis:

Im Rahmen eines ersten Kooperationsprojektes vom Neurotherapiezentrum Gmundnerberg der VAMED und der Gender Medicine Unit der Medizinischen Universität Wien, wurde eine retrospektive Datenanalyse mit 1593 PatientInnen, die zwischen 2010 und 2015 eine Rehabilitation im Neurotherapiezentrum Gmundnerberg nach Schlaganfall absolvierten, durchgeführt. Ziel war es, geschlechtsspezifische Aspekte in der Neurorehabilitation zu erkennen und gegebenenfalls die Behandlung geschlechtsspezifisch zu verbessern.

Zusammengefasst ergab die Auswertung signifikant niedrigere Barthel Indizes (Bewertung der alltäglichen Fähigkeiten eines Patienten) bei Frauen bei der Aufnahme, der auch Ursache für ein schlechteres Outcome ist.

Das weibliche Geschlecht hatte Einfluss auf das Vorliegen einer Depression, Schmerzen oder den Barthel Index. Frauen berichten häufiger von Schmerzen und geben subjektiv stärkere Schmerzen bei Aufnahme an. Das Geschlecht per se hatte allerdings keinen Einfluss auf den Rehabilitations-Effekt. Das heißt, Frauen und Männer profitierten gleichermaßen von der Rehabilitation.

Männer leiden bei Aufnahme häufiger an Typ 2 Diabetes, Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Frauen signifikant häufiger an Osteoporose, Depressionen und Schmerzzuständen.

In Bezug auf Risikofaktoren Rauchen und Vorhofflimmern waren keine Unterschiede.

Die Verbesserung des Allgemeinzustandes hing vom Aufnahmezustand, dem Alter, Typ 2 Diabetes und dem Zeitraum bis zum Beginn der Neurorehabilitation  nach Schlaganfall ab.

Daraus ist zu schließen, dass besonders rasch mit der Neurorehabilitation begonnen werden soll und besonders bei Frauen auf das gleichzeitige Vorliegen einer Depression und den Schmerzzustand bzw. eine suffiziente Schmerztherapie geachtet werden muss.

Dieses Projekt wurde bei der Österreichischen Gesellschaft für geschlechtsspezifische Medizin 2017 vorgestellt und ausgezeichnet.