Rehabilitation bei Multipler Sklerose an der Rehaklinik Wien Baumgarten

26.03.2018
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Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, also des Gehirns und des Rückenmarks. Es werden dabei die Nervenfortsätze (auch Axone genannt) durch körpereigene Immunzellen angegriffen und geschädigt. Die genaue Ursache dieser fehlgeleiteten Immunreaktion ist weiterhin unklar. Durch die resultierende Entzündung wird vor allem die Myelinschicht des Nervs geschädigt. Dies ist die Isolierschicht, die die schnelle Reizweiterleitung im Nervensystem begünstigt.

Bei der Multiplen Sklerose gibt es im Wesentlichen eine schubförmige und eine progrediente Verlaufsform. Bei der schubförmigen Variante treten akute neurologische Symptome auf, die mit Cortison behandelt werden und sich auch wieder vollständig zurückbilden können. Diese Verlaufsform ist die weitaus häufigste. Zugrundeliegend sind hier die oben beschriebenen Entzündungsvorgänge.

Die progrediente Verlaufsform ist durch eine stetige Verschlechterung des neurologischen Zustandes gekennzeichnet. Es kommt zu einer laufenden Degeneration des Nervengewebes. Die Entzündung rückt in den Hintergrund, auch wenn zusätzliche Schüben auftreten können. Eine schubförmige MS geht mit der Zeit oft in eine progrediente Form über.

Die neurologischen Symptome sind abhängig vom Ort der Schädigung im Zentralnervensystem. Vor allem zu Beginn kommt es oft zu Seh- oder Gefühlsstörungen. Es sind aber auch Lähmungserscheinungen und Gangstörungen sowie Probleme bei der Miktion oder der Sexualfunktion möglich. Besonders häufig tritt im Verlauf der Erkrankung die sogenannten Fatigue auf, eine chronische Ermüdbarkeit. Depressionen sind ebenfalls relevant und auch Probleme der höheren kognitiven Funktionen, zum Beispiel der Konzentrationsfähigkeit, können wesentliche Einschränkungen der Lebensqualität verursachen.

Die medikamentöse Therapie, vor allem der schubförmigen MS, hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Die MS ist mit etwa 12.500 Erkrankten in Österreich eine relativ häufige Erkrankung und betrifft darüber hinaus vor allem junge Menschen. Gerade deswegen nimmt auch die Rehabilitation einen wesentlichen Platz in der Behandlung ein.

Die rehabilitative Therapie wird individuell an die neurologischen Einschränkungen und persönlichen Bedürfnisse der PatientInnen angepasst. Ziel ist der Erhalt der Alltagsfunktionen und oft auch der Berufsfähigkeit und die damit verbundene Steigerung der Lebensqualität.

In der Rehaklinik Wien Baumgarten wird der medizinische Bereich von vier FachärztInnen für Neurologie und einer Allgemeinmedizinerin abgedeckt. Eine ständige fachärztliche Betreuung ist gewährleistet und die neurologische Zusatzdiagnostik mittels Elektrophysiologie (ENG/EMG/EEG) und Ultraschall (Halsgefäße, periphere Nerven) kann bei Bedarf vor Ort durchgeführt werden.

Es ist wichtig, dass die Therapie individuell angepasst ist. Rehabilitationsziel ist, die Selbstständigkeit im Alltag zu verbessern und die Lebensqualität zu steigern. Daher wird das Therapiekonzept in Absprache aller beteiligten Berufsgruppen (Medizin, Therapie, Pflege) abgestimmt. Dieses Konzept beinhaltet Einzel- und Gruppentherapien, Schulungen und Vorträge.

Im Bereich der Neurologie ist eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit der einzelnen beteiligten Berufsgruppen sehr wichtig. So gibt es regelmäßige Teamsitzungen, in welchen der Gesundheitszustand und die vereinbarten Therapien jedes Patienten besprochen werden. Ziel ist es ein von allen Berufsgruppen getragenes Konzept zur Förderung der Stärken und Verminderung der Schwächen zu erarbeiten. Folgende Therapiemöglichkeiten stehen in der Rehaklinik zu Verfügung:

Physiotherapie

Basis der Therapie ist ein tägliches Kraft- und Ausdauertraining. Diese Therapie erfolgt an modernsten Geräten zum individuellen Kraftaufbau. Das Ausdauertraining erfolgt unter anderem mittels Ergometer und Motomed. Hier kann differenziert nur an der oberen oder der unteren Extremität gearbeitet werden. Dadurch wird die Basis für das weitere therapeutische Vorgehen geschaffen.

In der Einzeltherapie wird sowohl klassisch im therapeutischen Eins zu Eins Setting, als auch z.B. am Laufband oder am SilverFit© gearbeitet. Durch die Steigerung der Bewegungswiederholungen am Laufband kann der Trainingseffekt verbessert werden. Im Rahmen der Laufbandtherapie erfolgt bei Bedarf eine Ganganalyse. Die Analyse erlaubt das Gangbild objektiv zu erfassen und pathologisches Verhalten zu verändern. Das Training am SilverFit© ermöglicht ein Dual Task Training. Das Dual Task Training (Kombination zweier Funktionen wie z.B. Gehen und lösen von Rechenaufgaben) ist ein wichtiger Bestandteil der Therapie, da es eine hohe Alltagsrelevanz hat. Das SilverFit© kann an die Mobilität des Patienten, unabhängig vom Behinderungsgrad, angepasst werden.

Neben der Einzeltherapie wird zudem in unterschiedlichen Gruppentherapien mit dem Patienten gearbeitet. In der sogenannten „Forced Use Gruppe“ wird intensiv an der Steigerung einer Restfunktion trainiert. In der Koordinations- und Gleichgewichtsgruppe wird an der Verbesserung dieser Fähigkeiten gearbeitet. Weiters gibt es Gehtrainingsgruppen, die nach den Fähigkeiten der Teilnehmer gestaltet werden. Auf Grund der Lage ist es möglich auch im Freien ein Outdoor Training und Nordic Walking anzubieten. Für die Unterwassertherapie stehen zwei Becken sowohl für die Einzel- als auch Gruppentherapie zur Verfügung.

Ergotherapie

Ziel der Ergotherapie im Bereich der Neurorehabilitation ist es, durch individuelle Therapie den Patienten zur größtmöglichen Selbständigkeit zu verhelfen. Alltägliche Situationen wie Körperpflege, Fortbewegung, Kochen und Haushalt, Kommunikation, Beruf, und Freizeit sollen durch die Ergotherapie wieder erlernt, verbessert sowie dauerhaft erhalten bleiben. Dies geschieht sowohl durch Einzel- als auch Gruppentherapie.

Auch hier stehen neben den klassischen Therapiekonzepten computerunterstützte Therapieverfahren zu Verfügung. So kommen robotik- und computergestützte Finger-Hand-Therapiegeräte wie der Amadeo© und Pablo© zur Anwendung. Ein wichtiger Bereich ist die Kognition. In diesem Bereich wird an möglichen neuropsychologischen Defiziten durch kognitives Training gearbeitet. Als Gruppentherapien werden Gedächtnis-, Koch-, Handwerks- und Feinmotorikgruppen angeboten.

Logopädie

Der Schwerpunkt der Logopädie umfasst die Diagnostik und Therapie von Sprach-, Sprech-, Stimm-, und Schluckstörungen. Ziel ist die bestmögliche Reaktivierung und Erhaltung der Kommunikationsfähigkeit sowie der Nahrungsaufnahme. Ergänzend werden Kompensationsstrategien zum Umgang mit den Einschränkungen trainiert. Die Methoden sind alltagsorientiert und sollen somit eine Teilnahme an der Gesellschaft ermöglichen.

Zur Abklärung einer Schluckstörung steht eine videoendoskopische Schluckuntersuchung zur Verfügung. Die Untersuchung erfasst eine mögliche Störung des Schluckaktes. Im Anschluss kann das therapeutische Vorgehen unter Videokontrolle angepasst werden.

Klinische Bilder, die behandelt werden, sind: Aphasie, Apraxie, Dysphagie, Dysarthrie und Stimmstörungen. Auch hier wird sowohl in Einzelt- als auch in Gruppentherapie behandelt.

Neuropsychologie

Bei Patienten mit MS können kognitive Störungen wie z.B. im Bereich Aufmerksamkeit, Lernfähigkeit und Gedächtnis auftreten. Durch eine neuropsychologische Testung können diese möglichen Defizite zu Beginn des Aufenthaltes festgestellt werden. Das kognitive Training wird unter anderem mittels PC Trainingsprogrammen durchgeführt. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit der individuellen Betreuung in Einzelgesprächen.

Diätologie

Auch Ernährung ist ein wichtiger Punkt während des Rehabilitationsaufenthaltes. Um eine ausgewogene, auf die Bedürfnisse des Patienten und des Therapieprogramms abgestimmte Ernährung zu sichern, werden regelmäßig diätologische Beratungen durchgeführt.

Pflege

Durch die Pflege wird die Umsetzung des Gelernten in den Alltag gefördert. So werden Defizite die bei Alltagstätigkeiten auftreten, rasch erkannt und unterstützend behoben.

Therapieplanung

Um die oben angeführten Therapien übergreifend zu planen, werden regelmäßige Therapiebesprechungen abgehalten. In diesen werden, von allen beteiligten Berufsgruppen, die mit dem Patienten festgelegten Ziele auf das Trainingsprogramm umgelegt. Gleichzeitig kann durch die Information unterschiedlicher Fachrichtungen das Programm noch individueller auf die medizinischen Notwendigkeiten angepasst werden. Wichtig ist es die in der Therapie erlernten Fähigkeiten im Alltag umzusetzen. Durch das wechselseitige Zusammenspiel aller Berufsgruppen bietet sich die Möglichkeit das Erlernte nicht nur in der Trainingssituation abzurufen, sondern auch im Alltag anzuwenden.

Die Neurologische Abteilung der Rehaklinik Wien Baumgarten ist mit 70 Betten eine hoch spezialisierte Einrichtung für den Bereich Neurorehabilitation. VAMED ist der führende private Anbieter im Bereich der neurologischen Rehabilitation in Österreich und mit zwei stationären neurologischen Rehabilitationszentren (Neurologisches Therapiezentrum Rosenhügel und Rehaklinik Wien Baumgarten) in Wien vertreten.

Zu den behandelnden Krankheitsbildern zählen neben Multipler Sklerose auch Cerebrale Gefäßerkrankungen, Bewegungsstörungen, Morbus Parkinson, Polyneuropathien, Zustand nach traumatischer Schädigung des Gehirns, des Rückenmarks oder des peripheren Nervensystems, Neuromuskuläre Erkrankungen und Degenerative Veränderungen im Wirbelsäulenbereich mit neurologischer Symptomatik. Das Konzept der interdisziplinären Betreuung garantiert eine individuelle, auf die Bedürfnisse der Patienten ausgerichtete Therapie.

Unser Standort in Wien verbindet die Annehmlichkeiten einer Weltstadt mit der Nähe des Ruheraums Wienerwald. Neben einer hoch modernen Ausstattung der Therapieräume gibt es in unserem Haus nur Einzelzimmer, die behindertengerecht ausgestattet sind. Dadurch ist eine bestmögliche Regeneration gewährleistet.

Der Autor Prim. Dr. Christoph Stepan ist Leiter der Abteilung Neurologie in der Rehaklinik Wien Baumgarten, einer Gesundheitseinrichtung der VAMED

Reha Wien Baumgarten

Prim. Dr. Christoph Stepan Rehaklinik Wien Baumgarten

Reizenpfenninggasse 1 1140 Wien
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